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Sammlung

Oskar Planer

Einen Teil unserer Sammlung finden Sie bereits online, zu besichtigen unter Museum-digital.

 

Johann Gottfried Seume – „Der Wanderer nach Syrakus“

Die Sammlung Oskar Planer in Lützen

 

Im Museum Lützen befindet sich die umfangreichste Sammlung an Autographen und Originalmanuskripten zu Johann Gottfried Seume. Diese einzigartige Sammlung wurde durch den Lützener Bürger Oskar Planer (1854-1931) in jahrzehntelanger Arbeit zusammengetragen.

Schon frühzeitig beschäftigte sich der junge Planer mit der Geschichte und Kultur seiner Heimatregion. Vor allem die Schlacht bei Lützen vom 6./16. November 1632 und der Tod des schwedischen Königs Gustav II. Adolfs hatten es ihm angetan. Durch die Erinnerungsfeiern anlässlich des 250. Todestag des Königs im Jahre 1882 war Oskar Planer so fasziniert, dass er begann, eine umfangreiche Gustav-Adolf-Sammlung mit Kupferstichen, Autographen, Münzen und Medaillen sowie Waffen und andere Erinnerungsstücke zusammen zu tragen.

Diese Sammelleidenschaft, gepaart mit historischem Forscherdrang, brachte ihm 1886 die korrespondierende Mitgliedschaft der Schwedischen Geschichtsakademie ein. Später wurde Oskar Planer ehrenhalber mit dem Titel eines schwedischen Vizekonsuls bedacht. Während

des 1. Weltkrieges geriet Planer in wirtschaftliche Bedrängnis, die ihn zwang, seine Gustav-Adolf-Sammlung 1917 nach Schweden, nach Uppsala, zu verkaufen, wo sie sich noch heute in der Universitätsbibliothek befindet.

Doch er trug eine zweite Gustav-Adolf-Sammlung zusammen, die in Teilen noch im Lützener Museum zu sehen ist. Das Museum Lützen befindet sich seit seiner Gründung im Jahre 1928 im alten Schloss der Merseburger Bischöfe. Die große Sammlung Oskar Planers wurde ein Grundbaustein des Museums als stadt- und regionalgeschichtliches Museum. Denn Oskar Planer sammelte auch Erinnerungsstücke der Schlacht von Großgörschen vom 2. Mai 1813 (unweit von Lützen) oder der Schlacht bei Roßbach vom 5. November 1757. Unter den Sammlungsstücken befinden sich auch viele Originalhandschriften von Persönlichkeiten des 17. bis 19. Jahrhunderts aus Politik, Literatur, Musik und Gesellschaft.

Oskar Planer trug aber auch eine große Sammlung Dichter und Schriftsteller Johann Gottfried Seume zusammen, der im nahe gelegenen Poserna (heute Ortsteil der Stadt Lützen) geboren worden war. Diesen Sammlungsbestand muss Planer ebenfalls in jungen Jahren begonnen haben. Denn bereits im Jahre 1898 erscheint ein seitenstarkes Werk Johann Gottfried Seume. Geschichte seines Lebens und seiner Schriften, welches Oskar Planer zusammen mit Camillo Reißmann herausgab und maßgeblich auf der bis dahin bestehenden Planer-Sammlung beruhte. Sechs Jahre später, 1904, wurde dieses Werk unverändert in einer zweiten Auflage gedruckt.

Die Nachfrage nach Johann Gottfried Seume schien hoch zu sein. Oskar Planer war wohl der größte Seume-Sammler der damaligen Zeit war, blicken wir auf die vielen Briefe und Handschriften sowie Manuskripte in Planers Besitz. Sein Buch von 1898 ist eine enorme Fleißarbeit (724 Seiten), auch wenn es an Systematik und wissenschaftlichem Gespür zu wünschen übrig lässt. Die nachfolgende Wissenschaft hat sich dem aber schon angenommen. Dennoch ist dieses umfangreiche Werk bis heute unersetzlich, wie Jörg Drews und Dirk Sangmeister in Seumes Briefausgabe schreiben. Wenn auch das Werk von Planer und Reißmann von 1898 eine eigenwillige und amateurhafte Biographie und Materialsammlung ist, so gilt doch, dass wir mit diesem Werk einen bis dato und lange danach wichtigen

Schatz zu Seume vorliegen haben. Bis heute schöpfen wir aus diesem Buch, dessen Grundlage die umfangreiche Sammlung Planers bildete. Aber der Sammler Planer war eben ein begeisterter, heimatgeschichtlich verliebter und wohl auch besessener Mann, der dem

Dichter seiner Heimat ein eigenes Denkmal setzen wollte. J.G. Seume einer breiten Öffentlichkeit bekannter zu machen, lag ihm am Herzen.

Unter dem Datum des 26. August 1898 übersandte Oskar Planer als Mitglied der Schwedischen Geschichtsakademie (Königliche Wissenschaftsakademie zu Stockholm)

seine Publikation nach Stockholm, da Seume auch auf seiner Nordischen Reise im Jahre 1805 durch Schweden gelangte. So schreibt Planer in diesem Brief: Das Buch ist die Frucht einer jahrzehntelangen Arbeit des Sammelns und Sichtens und dürfte auch für Sie insofern einiges national-kulturgeschichtliches Interesse haben, als Seume, der einzigartige Kosmopolit

und berühmte Spaziergänger nach Syrakus, auch eine Reise durch den Norden unternahm, auf der er Schweden von Upsala bis Helsingborg durchwanderte. Die Eindrücke, die er auf dieser Reise empfing und in seiner Schrift »Mein Sommer 1805« zum Theil wiedergiebt, werden in dem vorliegenden Buche auf S. 505ff. besprochen. Sie waren von so nachhaltiger

angenehmer Wirkung selbst auf den Vielgewanderten, dass er sie zu den wohlthätigsten seiner Reiseerinnerungen zählt.

Oskar Planer hat sich wirtschaftlich nach dem 1. Weltkrieg nie wieder richtig erholt, seine Sammlerleidenschaft konnte und wollte er aber nicht aufgeben und sammelte stets weiter. Ein Sammlerherz hört eben nie auf zu schlagen. Er verschuldete sich lieber, um weitere

Erinnerungsstücke zu sammeln. Mitunter ließ er selbst die Nahrungsmittel im Laden anschreiben und zahlte irgendwann später.

Als im Jahre 1928 im Lützener Schloss ein Museum eröffnet wurde, unterstützte Planer dies auch mit eigenen Sammlungsbeständen, die er leihweise und auch gegen Leihgebühr der dortigen Ausstellung überließ.

Am 18. März 1931 verstarb Oskar Planer in Lützen. Seine umfangreiche Sammlung wurde ein Jahr später in Leipzig versteigert. Sammlung Planer unter dem Hammer hieß es am 17. April 1932 in den Leipziger Neuesten Nachrichten. Die Versteigerung durch die Firmen Hellmut Meyer&Ernst aus Berlin (Autographensammlung und Antiquariat) sowie Adolf Weigel, Leipzig (Antiquariat) wurde vom 14. bis 16. April 1932 durchgeführt. Ein gedruckter Katalog lag vor, der auf 168 Seiten insgesamt 1522 Stücke präsentierte: Autographen, Originalbildnisse und Porträts von Schriftstellern, Dichtern, Musikern, gekrönten Häuptern und anderen historischen Personen, eine umfangreiche Buchsammlung aus dem 18./19. Jahrhundert sowie die Seume-Sammlung. Bei den Persönlichkeiten handelt es sich meist um Zeitgenossen Seumes. Die Seume-Sammlung sollte geschlossen verkauft werden, um nicht auseinander gerissen zu werden. Leider ist dies nicht vollständig umgesetzt wurden. Die Originalbriefe und -manuskripte Seumes der Katalognummern 933 bis 1032 (Seiten 122 bis 135) befinden sich aber heute zum größten Teil im Besitz des Lützener Museums. Denn während der Versteigerung fand die Seume-Sammlung in Gänze keinen Käufer. Einzelne Stücke wurden verkauft, darunter das unvollendete Manuskript von Seumes Autobiographie Mein Leben, welches für 400 Mark den Besitzer wechselte. Erworben wurde es wahrscheinlich von Stephan Zweig. Auch Spazierstock, Degen und Fingerring fanden Abnehmer. Auf welchem Wege die verbliebene Sammlung ins Lützener Museum kam, ist nicht genau belegt. Die damalige Stadtsparkasse Lützen hatte wohl einen Anteil daran, um das nötige Geld zu beschaffen, damit diese unwiederbringliche Sammlung in Lützen blieb und dem später städtisch gewordenen Museum übereignet wurde. Seitdem befindet sich auch eine eigene Ausstellung zu Johann Gottfried Seume im Lützener Museum.

Das Museum Lützen besitzt 66 Briefe sowie 33 weitere handschriftliche Manuskripte von Seume. Darunter befinden sich auch die „Apokryphen“, ein Teil seines „Miltiades“ sowie viele Gedichte. Zahlreiche Erst- und weitere Ausgaben von Seume-Werken sind im Bestand des Lützener Museums zu sehen und können für wissenschaftliche Untersuchungen und Forschungen genutzt werden.

 

 

Kontakt
 

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